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Marek Slipek

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Typedesign mit Glyphs

Glyphs ist derzeit das günstigste und populärste Werkzeug um Schriften zu erstellen. Es hat im Vergleich zu Fontographer und Fontlab ein moderneres an die Mac-Oberfläche angelehntes Interface und kommt mit wesentlich weniger Funktionen aus. Das Programm gibt es in einer studentenfreundlichen Einstiegsvariante, die circa 50 Euro kostet und einer professionelleren Varianten die circa 300 Euro kostet. Die Pro-Variante kann im Gegensatz zur Basis-Variante Opentype-Features verarbeiten. Die Einstiegsvariante ist den ersten Monat voll funktionsfähig nutzbar. Ein effizientes Arbeiten mit Schrift erfordert den Einsatz von einigen Tastaturkürzeln. Dieses Script beschreibt die wichtigsten davon. Zu Glyphs gibt es auf der Webseite des Herstellers ein 100 seitiges Manual in PDF-Form was im Vergleich zu den 1000 Seiten von Fontlab ein wirklicher Fortschritt ist. Sinn und Zweck dieses Scripts war die 100 Seiten auf 10 Seiten zu kondensieren und einen schnellen Einstieg ins Programm mit Hilfe von zusätzlichen Screenshots zu ermöglichen.


Arbeitsfenster

Zeichenübersicht

Schrifthöhen-Einstellungen

Glyphenfenster

Es gibt drei wesentliche Hauptfenster in Glyphs. Die Zeichenübersicht bietet Zugriff auf alle Zeichen in der Schrift. Das Glyphsfenster ermöglicht die individuelle Bearbeitung von Zeichenpfaden im jeweiligen Buchstaben. Die generellen Einstellungen für Schrifthöhen werden an einer zentralen Stelle für alle Buchstaben zu Beginn des Zeichenprozesses numerisch eingestellt.

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Tastaturkürzel

P (Zeichenwerkzeug aktivieren)

Gerade / Kurve / Ecke
01 Klicken = Geraden (blauer Knoten)
02 Klicken + Ziehen = Kurven bzw. Übergang (grüner Knoten)
03 ALT + Klicken + Ziehen = Ecke (blauer Knoten)
04 Klicken auf ersten Knoten = Kontur schließen

Extrem- und Wendepunkte
05 SHIFT + Klicken auf Pfadsegment = Extrem- und Wendepunkte automatisch finden lassen

V (Auswahlwerkzeug aktivieren)

Umwandeln
01 Doppelklick auf Knoten = Umwandeln von Ecke in Übergang und umgekehrt
02 ALT + Klicken auf Pfadsegment = Umwandeln Gerade in Kurve (Hinzufügen von immer zwei Ankerpunkten)
03 Klicken auf Knoten + DELETE = Umwandeln einer Kurve in Gerade (Löschen beider Ankerpunkten eines Pfadsegments)

Bewegen
04 Klicken + Ziehen = Knoten mit Anfasser bewegen
05 ALT + Klicken + Ziehen = Knoten ohne Anfasser bewegen
06 SHIFT + Klicken = mehrere Knoten gleichzeitig auswählen Doppelklick Pfadsegment = Auswahl gesamte Kontur
07 CTRL + ALT + SHIFT + Klicken + Ziehen = Knoten mit Anfasser proportional bewegen

Verschieben / Ausrichten / Vorschau
08 ↑ ↓ ← → = Verschieben von Knoten und Anfassern
09 APFEL + SHIFT + A = Punkte auf einer Linie ausrichten
10 SPACE = Schwarz-Weiss-Vorschau der Glyphe

L (Messwerkzeug aktivieren)

01 blaue Ziffern = Knotenkoordinaten
02 rote Ziffen = Differenzwerte zwischen Knoten
03 Klicken + Ziehen = Messlineal mit Abstand und Winkel

Allgemein

Hilfslinien
01 CTRL + Mouseclick = Untermenü aktivieren
02 Hilfslinien hinzufügen = Hilfslinie lokal (blau)
03 Klick auf Kreis der Hilfslinie = Hilfslinie global (rot)
04 APFEL-X und APFEL-V = Globale in lokale Hilfslinie verwandeln

Ansicht
05 APFEL + = Ansicht vergrößern
06 APFEL – = Ansicht verkleinern

Informationsfeld
07 APFEL-SHIFT-I = Infofeld einblenden
Beispiel: Abstand von zwei Punkten durch Markieren von zwei Punkten mit gedrückten SHIFT-Taste

Hintergrundbild
08 Hintergrundbild anzeigen = Ansicht > Bild anzeigen
09 Hintergrundbild einfügen = Bild auf Zeichenfläche ziehen

1 Bildpixel = 1 Fonteinheit
1000 Pixel = 1000 Einheiten/Geviert
Bild mit 1000 Punkt Höhe in Photoshop anlegen

Kurven angleichen
10 CTRL + ALT + 1 bis 8 = Kurven in Stufen angleichen

(Fenster > Palette > Kurven angleichen)
Hinweis: zwei zusammenhänge Ankerpunkte wählen

Metricstabelle
11 APFEL + SHIFT + M = Ansicht > Metrics anzeigen

Buchstaben hinzufügen
12 Schrift > Buchstaben hinzufügen = Hinzufügen von weiteren Buchstaben wie Ä und Ü durch Eintippen derselben ins Eingabefeld und Ausführen der Aktion

Schrifteinstellungen und Export

Schrift vor Export benennen unter Datei > Schrifteinstellungen > Schrift > Familienname. Schrifthöhen einstellen unter Datei > Schrifteinstellungen > Master > Dimension. Einheit / Geviert auf 1000 belassen. Versionsnummer eventuell erhöhen, wenn bei erneutem Export Schriftänderungen vom System nicht erkannt werden sollten. Schrift über Schriftverwaltung selbst installieren und nicht das Installationsmenu der Exportfunktion nutzen. Vor erneuter Installation Schrift aus Schriftverwaltung vollständig löschen, nicht nur deaktivieren. Schrift als OTF exportieren.


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Metrics und Kerning

T (Textmodus aktivieren)

Einzel-Metrics einstellen
01 CTRL + ← → = Vorbreite ändern (Systemkonflikt!)
02 CMD + ← → = Nachbreite ändern
03 CTRL + CMD + ← → = Vor- und Nachbreite gleichzeitig ändern
04 SHIFT + ... = Werte in 10er Schritten verändern

ACHTUNG! Die Kombination CTRL + ← → ist vom System für den Wechsel von Spaces vorbelegt. Unter „Systemeinstellungen > Tastatur > Mission Control“ statt „CTRL + ←“ „CTRL + ALT + SHIFT + ←“ und statt „CTRL + →“ „CTRL + ALT + SHIFT + →“ eintragen oder Mission Control deaktivieren

Gruppen-Metrics einstellen
05 Gruppenmetrics einstellen = Im Infofeld unter L: die Vorbreite beziehungsweise unter R: die Nachbreite statt einem Wert einen Buchstaben eintragen.
06 CTRL + APFEL + M = Layer > Metrics aktualisieren

Beispiel: Bei E im Feld L: statt einem Wert den Buchstaben H eintragen, um die Vorbreite von H an E zu koppeln. Um F ebenallls an H zu koppeln bei F im Feld „L:“ ein H eintragen.

ACHTUNG! Nach Verändern der Vorbreite von H müssen zunächst in der Glyphenübersicht F und E ausgewählt und danach Metrics aktualisiert werden, damit sich das Ändern der Vorbreite auch auf E und F auswirkt.

T (Textmodus aktivieren)

Einzel-Kerning einstellen
7 CTRL + ALT + ← → = Kerning linksseitig verändern
8 ALT + APFEL + ← → = Kerning rechtsseitig verändern
9 SHIFT + ... = Werte in 10er Schritten verändern

blauer Balken = Unterschneidung
gelber Balken = Spationierung

Hinweis: Buchstabenkombination zum Beispiel „Tn“ eintippen zwischen der man das Kerning verändern möchte. Danach die Kerninglinie dazwischen anklicken und im Infofeld unter K auf der linken Seite einen Kerningwert nummerisch eintragen oder durch Tastaturkürzel (siehe 7 und 8) verändern.

Bei drei Buchstaben zum Beispiel „AVA“ und einem Klick auf den Buchstaben V stellt man im linken K das Kerning zum vorhergehendem Buchstaben ein. Beim rechten K stellt man das Kerning zum nachfolgendem Buchstaben ein.

Gruppen-Kerning einstellen

- Im Textmodus (aktivieren mit „T“) Kerningpaare eintippen zum Beispiel „TnTmTpTq“
- Ein Ausgangskerningpaar wählen auf das sich die anderen beziehen sollen zum Beispiel „Tn“ und ein Einzelkerning einstellen (siehe Einzelkerning einstellen)
- Beim angeklickten Buchstaben n im linken G den Buchstaben T eintragen (G = Gruppenkerning)
- Beim Kerningpaar Tm, Tp und Tq dann jeweils beim Anklicken der Buchstaben m, p und q im linken G den Buchstaben T ebenfalls eintragen
- Um das Gruppenkerning für Tm, Tp und Tq zu aktivieren zu Tn wieder wechseln und beim angeklickten Buchstaben n das nun geöffnete Schlosssysmbol arretieren


Hinweis: beim Beispiel „AVA“ wird V links- und rechtsseitig gekernt. Um ein Gruppenkerning für „ÄVÄ“ und andere ähnliche zu erreichen, muss man beim angeklickten Buchstaben A unter G (wie Gruppe) beidseitig ein A eintragen und unter V beidseitig ein V eintragen. Danach wechselt man zu Ä und trägt ebenfalls unter G beidseitig ein A ein, um Ä zur Gruppe A zuzuordnen. Um das Gruppenkerning für „ÄVÄ“ abzuschließen und zu aktivieren, muss man zur Ausgangskombination „AVA“ zurückkehren und an alle geöffneten Schlösser arretieren – beim angeklickten ersten A das Schloss rechts vom A, beim angeklickten V sowohl das Schloss links als auch rechts, beim zweiten angeklickten A das Schloss links.

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Magisches Dreieck

Das magische Dreieck

Das magische Dreieck setzt zwei Punkte immer über ein rechtwinklinges gedachtes Dreieck in Beziehung. Die Anfasser der beiden Punkte werden in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, um Biegungen in Schrift zu normieren und numerisch benennen zu können. Der Anfasser bilden eine Linie. Beide Linien sitzen gegenüber der Hypothenuse, der eine auf der Kathete und der andere auf der Ankathete, wobei sich die genannnte Begriffe auf denSatz des Phytagoras beziehen. Die Anfasser können maximal kurz werden, sodass sie mit dem jeweiligem Punkt verschmelzen. Oder maximal im rechten Winkel enden, jedoch nicht darüber hinaus gezogen werden.

Gerade, Kurve, Ecke und Übergang

Ein Pfadsegment hat entweder zwei Anfasser oder keinen. Das ist ein Unterschied zu Illustrator und ermöglicht eine genaue Kontrolle über den Pfadverlauf. Bei gedrückter ALT-Taste und Doppelklick auf ein Pfadsegment wird eine Gerade zu einer Kurve – an beiden Knotenpunkten wird jeweils ein Ankerpunkt hinzugefügt. Um eine Kurve zurück in eine Gerade zu verwandeln, genügt es einen der beiden Ankerpunkte mit der DELETE-Taste zu löschen. Der andere wird automatisch mitgelöscht.

Fortlaufender Zeichenzug

Der fortlaufende Zeichenzug ermöglicht das Zeichnen von Buchstabenformen ohne Unterbrechungen, sofern Buchstabenkürzel zur Kontrolle der Anfasser eingesetzt werden. Beim Zeichnen und Setzen des jeweils nächsten Punktes samt Anfasser ist immer die Regel des magischen Dreiecks zu beachten. Derart lässt sich ein Buchstabe rationalisiert anlegen und in der Intensität der Biegung steuern. Davon ausgenommen bleibt weiterhin der spätere manuelle Eingriff an Stellen an denen das Schema nicht greift.

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Grundformen und Pfadrichtung

Automatik für Export

Beim Export von Buchstaben kann man Überlappungen automatisch entfernen lassen. Diese Option ermöglicht während des Entwurfsprozess Buchstaben in Einzelteilen belassen zu können.

Grundformen in Einzelteilen

Buchstaben setzt man am geschicktesten aus Grundformen zusammen, um sich wiederholende Einzelteile in anderen Formen wiederverwenden zu können. Der Stamm des D lässt sich für den Stamm von E, F, L, H wiederverwenden. Der Bogen eines kleinen n lässt sich für das m verwenden.

Im Entwurfsprozess belässt man Buchstaben aus Einzelteilen, muss jedoch die Pfadrichtung korrigieren, damit innere Formen aus der äußeren korrekt ausgestanzen. Hierfür muss der äußere Pfad gegen den Uhrzeichensinn und der innere im Uhrzeigersinn laufen.

Beim endgültigen Buchstaben müssen Überlappungen entfernt werden. Für den Entwurfsprozess behält man die Überlappungen bei und lässt lediglich beim Export die Überlappungen automatisch entfernen.

Pfadrichtung / Überlappung
01 SHIFT + APFEL + R = Pfadrichtung korrigieren
02 SHIFT + APFEL + O = Überlappung entfernen

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Zeichenprozess

Vom Blatt zum Computer

Der Entwurf eines Alphabets funktioniert am schnellsten mit Schwarzstift und Papier. Bevor wir überhaupt den Computer verwenden, sollten wir uns bereits im Klaren darüber geworden sein, welche Form unser Buchstabe haben soll. Danach können wir dazu übergehen direkt in Glyphs zu zeichnen.

Buchstaben kann man direkt in Glyphs zeichnen. Im ersten Schritt genügt es eine ungefähre Form des Buchstaben mit Hilfe von geraden Linien anzulegen. Im zweiten Schritt richtet man Punkte aus und fügt Übergänge durch Umwandeln von Punkten hinzu.

Per Copy und Paste kann man auch Buchstabenpfade aus Illustrator in Glyphs kopieren. Es ist jedoch besser seine Buchstabenformen direkt in Glyphs zu zeichnen und dort auch einzeln oder im Wortzusammenhang Zeichenformen zu korrigieren. Zahlreiche Tastaturkürzel in Glyphs ermöglichen ein schnelles Bearbeiten von Pfaden. Die Pfadwerkzeuge funktionieren ein wenig anders als in Illustrator, die Eingewöhnungszeit ist jedoch sehr kurz.

 

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Digitalisierung

Charakter von handgezeichneten Fonts erhalten und digitalisieren

Scan in Photoshop aufbereiten

Die gescannten Buchstaben sollten nach der Bearbeitung eine maximale vertikale Ausdehnung von 1000 pt aufweisen. Um das zu erreichen, öffnet man am Besten eine neue Datei, die 1000 mal 1000 pt groß ist und eine Auflösung von 72 dpi hat. Dieses Quadrat färbt man grau ein und fügt anschließend mit „Arbeitsfläche“ Weißraum hinzu, sodass genügend Platz für Ober- und Unterlängen vorhanden ist. In diese Datei kopiert man anschließend seine Scans und skaliert sie anhand einer Zeile mit Ober- und Unterlängen herunter auf die Größe des grauen Quadrates. Wenn man einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben mit Oberlänge und einen Kleinbuchstaben mit Unterlänge hat, lassen sich horizontale Hilfslinien für die Unterlänge, Grundlinie, x-Höhe, Majuskelhöhe und Oberlänge einziehen. Anhand dieser Linien kann man die Abmessungen des Fonts vornehmen und die Werte in Glyphs übertragen. Das aufbereitete Dokument kann man von der Unterlänge bis zur Oberlänge beschneiden, sodass die Höhe der Datei der Kegelhöhe des Buchstabens entspricht. Die fertige TIFF oder JPEG-Datei zieht man per Drag an Drop vom Schreibtisch aus in Glyphs hinein und zeichnet die Formen dort händisch nach.

In Illustrator vektorisieren

Für das automatische Vektorisieren geschreibener Formen verwendet man Illustrator. Auch hier gilt das gleiche wie für Scans. Als Einheit wählt man in Illustrator Punkt statt Zentimeter. 1000 Punkte entsprechen 1000 Einheiten / Geviert in Glyphs. Die gescannte Schriftzeile wird plaziert und so skaliert das sie von der Oberlänge bis zur Unterlänge in die 1000 Punkt hohe Datei hineinpasst. Anschließend kann man vektorisieren mit Objekt > Bildnachzeichner > Erstellen und Umwandeln. Die umgewandelten Formen lassen sich per Copy und Paste unter Erhaltung der Größe, nicht jedoch der Position in Bezug auf die Grundlinie in Glyphs kopieren.

 

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Literatur

Literatur zum Typedesign

Englischsprachige Videotutorials zu Glyphs unter sowie eine
100-seitiges deutschsprachiges Handbuch zu Glyphs


 www.glyphsapp.com

„Designing Type, Anatomie der Buchstaben, Basiswissen für Schriftgestaltung“
Karen Cheng, Hermann Schmidt Mainz Verlag, Mainz

„Logo, Font, Lettering Bible“
Lesie Cabarga in Eigenregie publiziert, USA

„Counterpunch,making type in the sixteenth century designing typefaces now“
Fred Smeijers, Hyphen Press, London

Scan in Photoshop aufbereiten
„Modern typography, an essay in critical history“ von Robin Kinross, Hyphen Press, London

„The Geometry of Type, The Anatomy of 100 Essential Typefaces“
Thames & Hudson, London

„Lettering & Type, Creating Letters & Designing Typefaces“
Bruce Willen, Nolen Strals, Princeton Architectural Press, New York
„Type now“
Fred Smeijers, Hyphen Press, London

 

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