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3k

Mut zur Wut Finalist 2017

Jedes Land bekommt den Herr­scher, den es verdient. Popu­listen zeichnen gerne schwarz­weiße Bilder, um Stimmung zu machen. Stimmung gegen Auslän­der, Stimmung gegen Anders­den­kende. Die Welt wird in Gut und Böse polarisiert – auf der einen Seite die Un­schuld in Person, auf der anderen das Sata­nische per se. Mein Plakat „3k“ ist Teil der Ausstel­lung „Mut zur Wut“, die Ende Juli im Land­gericht Heidel­berg zu sehen ist. 1520 Teil­nehmer aus 51 Ländern reichten ingesamt 3147 Plakate ein. Mein Entwurf „3k“ zählt zu den 100 Fina­listen. Danke an die Jury.


23.05.2016

 

Technobomben über Belgrad

Technobomben über Belgrad

Belgrad war zu Zeiten des Ost­blocks block­frei und bereits west­lich orien­tiert. Die selt­same Zerissen­heit des Landes und die Kriegs­nachwehen sind noch all­gegen­wärtig. Durch die kyril­lische Schrift im städ­tischen Raum fühlt man sich im tief­sten Russ­land - Gaz­prom thront beim Ein­fahren durch Neo­grad, dem Platten­bau­teil, ins Stari­grad, dem histo­rischen Teil der Stadt. Balkan­kombos ziehen hier bis spät in die Nacht durch die Gegend und singen zusam­men mit ange­heiter­ten Touris­ten oder spielen direkt in Restau­rants und ziehen von Tisch zu Tisch.

Mann und Frau orien­tiert sich hier ent­weder am Osten, schwärmt für den kyril­lischen Ein­fluss und feiert zu Balkan­pop mit Zigeuner­charme – oder ent­scheidet sich für den Westen, für das Digi­tale und tanzt zu elektro­nischen Klängen in rauen Techno­bunkern. Draußen drei Grad, innen ein in die Wand geschla­genes Loch, um die Musik- und Licht­anlage mit einem Strom­kabel zu ver­sorgen. Ich bin hier auf dem Reso­nate-­Festi­val und werde direkt in die Zukunft ge­schos­sen.

Auf der Bühne steht ein schwarzer Mann in einer selt­samen Kluft – eine Mischung aus Zwangs­jacke und Abend­garde­robe. Er steht mit dem Rücken zum Pub­likum um­hüllt vom Nebel und schreit eine gefühlte Ewig­keit un­ver­ständ­liche Dinge zu har­schem Noise. Plötz­lich ändert sich der Sound, wird tanz­barer – der Krei­scher springt direkt ins Publi­kum und bahnt sich mit körper­licher Präsenz den Weg. Während Bom­ben über Bel­grad fielen, tanz­ten die Bel­grader zu Techno. Die Musik scheint die Kriegs­erle­bnisse zu ver­arbei­ten. Die raue und kaput­te Atmo­sphäre des Clubs spiegelt sich im Stadt­bild wider - vom Sozia­lismus runter­gewirtschaf­tete Fassa­den, vom Krieg zer­störte Gebäu­de und graffiti­verzier­te Wände. Techno ist tot, lang lebe Techno.


13.05.2017

 

Geräucherter Barockschinken

Geräu­cher­ter 3D Schinken im Barock­rahmen

Warum muss ein digi­taler Knopf aus­se­hen wie ein ana­loger? Sei es Nostal­gie, eine wage Zukunfts­angst oder der Wunsch, möglichst viele Menschen in der analogen Welt ab­zu­holen – der Drang, die echte Welt digital nach­zu­bilden, ist groß. Diese Tendenz heißt Skeuo­morphismus.

Möglicher­weise hat die Kunst­geschichte mit der digitalen Entwicklung viel mehr gemeinsam als auf den ersten Blick ersicht­lich. In der Bildenden Kunst war zunächst das hand­werkliche Können das zentrale Betätigungs­feld des Künstlers: ob ein exakter Falten­wurf oder die perfekt gemalte mensch­liche Physio­gnomie – ein möglichst natur­getreues Abbild der Realität stand jahr­hundert­lang im Vorder­grund. Die Erfindung des Foto­apparats führte zu einer Eman­zipation der Kunst von der Gegen­ständlich­keit hin zum Geis­tigen und Abstrak­ten.

Im Inter­face-­Design lässt sich eine ähnliche, jedoch extrem be­schleu­nigte Entwick­lung beo­bachten: So ahmten bei­spiels­weise digi­tale Kalender oder Notiz­bücher vor einigen Jahren noch ihre ana­logen Pendants nach – inklusive Leder­einband, Esels­ohren und Ring­bindung. Drei­dimen­sionalität wurde mit­hilfe einer komplexen Schatten­gebung vor­getäuscht, Texturen waren exakt modelliert – ein hand­werklich perfekter Skeuo­morphismus. Diese Dar­stellungs­form gilt im Inter­face­design mittler­weile als über­wunden. Die Abstrak­tion von Form mündet in der digi­talen Gestal­tung im so­genann­ten Flat­design. Dabei werden Benutzer und seine Erfahrung in den Mittel­punkt gestellt – weg vom Gegen­ständ­lichen hin zum Abstrak­ten.

Ganz anders sieht es jedoch in der vir­tuellen Realität aus: Hier steht noch das Hand­werkliche im Vorder­grund, die perfekte Nach­ahmung der „echten Welt“ – ein geräu­cher­ter 3D-­Schinken im Barock­rahmen. Welche Rich­tung schlägt die drei­dimen­sionale Gestal­tung ein? Wird auch hier die Abstrak­tion Einzug halten?


19.01.2017

 

Streetart London

Streetart als kulturelles Bedürfnis

Auf der Suche nach einer rauen und grafi­schen Iden­tität Londons landet man un­weiger­lich im Osten der Stadt – genauer gesagt in Shoreditch. An jeder Ecke lauert schon das nächste Werk, das darauf wartet entdeckt zu werden – manch­mal laut, als monumen­taler Igel an einer riesi­gen Haus­wand, manch­mal leise, als Mosaik­schild­kröte an einem Haus­ein­gang, und manch­mal un­schein­bar, als bemal­tes Kau­gummi direkt auf dem Geh­weg. Gift­grüne Pilz­skulp­turen schmücken Haus­dächer und er­weitern das Medium über die Wand hinaus. Jeder Artist hinter­lässt eine un­ver­kenn­bare gra­fische Duft­marke – meist als Stil­mittel oder Medium. Er brand­markt dabei mög­lichst viele Orte in der Stadt, um seinen Fame zu steigern.

Wird ein vor­han­denes städ­tisches Zeichen gehackt und in seiner Bedeutung um­codiert, mutiert Street­art zum so­genan­nten Urban Hacking. Ein Ein­fahrt-­Verbo­ten-­Schild ver­wan­delt sich in einen mittel­alter­lichen Pranger. Die Schlicht­heit der gra­fi­schen Mittel er­innert hier an die Ge­stal­tung von Logos.


18.08.2016

 

Camou­flage Europe

Mut zur Wut Finalist 2016

Europa tarnt sich vor Flücht­lingen. Europa zäunt sich mit Stachel­draht ein. Europa wird zuneh­mend mili­tant, reak­tionär, natio­nalis­tisch und un­solida­risch – die euro­päische Idee droht zu ver­schwim­men. Die Ten­denz zur Radika­lisie­rung der Gesell­schaft schreitet fort. Mein Plakat "Camouflage Europe" ist Teil der Ausstel­lung "Mut zur Wut", die bis zum 15. August im Land­gericht Heidel­berg zu sehen ist. Rund 1100 Teil­nehmer aus 58 Ländern reichten ins­gesamt mehr als 2000 Plakat­entwürfe ein. Mit "Camouflage Europe" zähle ich zu den 100 Fina­listen.


28.07.2016

 

Informationsgrafik

30 Jahre Plakat­wett­be­werb des deut­schen Studen­ten­werks

Der Plakat­wett­werb des deut­schen Stu­denten­werks feiert sein 30-­jäh­riges Jubi­läum. Die Hoch­schule Mann­heim gestal­tet die zuge­hören­de Fest­schrift in Form eines Buchs. Ich liefere hier­zu Infor­mations­grafiken zu verschie­denen Aspek­ten des Wett­bewerbs. Im Spannungs­feld zwischen Illus­tration und Program­mierung entwickle ich kleine Geschich­ten, die bei­spiels­weise die dra­matisch anstei­gende Anzahl der einge­reich­ten Plakate erzäh­len.


20.03.2016

 


Das Hexagon als identi­täts­stiften­des Symbol

Corporate Geometry

In Frank­reich wird dem Hexa­gon nicht nur sym­boli­sche sondern auch identi­täts­stif­tende Be­deutung bei­gemes­sen. Die Form leitet sich von einer geo­gra­phisch sta­bilen Landes­grenze ab, die seit zwei­hundert Jahren politisch Bestand hat. Diese Vorliebe für Geo­metrie scheint sich auch im Grafik­design und in der Archi­tektur wider­zu­spiegeln.

In öffent­licher Kommuni­kation bei­spiels­weise hat man keine Scheu, geo­me­trische Dis­play­schrif­ten zu ver­wenden, die hier­zu­lande nur auf Techno­flyern denkbar wären. Das arabische Kultur­zentrum in Paris des Star­archi­tekten Jean Nouvels etwa ver­bindet auf geschickte Weise ein morgen­ländisch anmutendes Muster mit dem identi­täts­stif­tenden Symbol Frank­reichs – dem Hexagon.


29.09.2015

 

Beitrag zum Buch „Experi­mentelle Gestal­tung“ im Niggli-Verlag

Stuhl­experi­ment im Niggli-Verlag

Vom Stuhl, zur Bank, zum Bett – die morpho­logische Verwand­lungs­reihe lädt zum Erkun­den und Schmun­zeln ein. Aus­gehend von einem schlichten Stuhl unter­suche ich mit­hilfe von Processing gestal­terische Para­meter. Die Ergeb­nisse chan­gieren zwischen ein­deutigen Gebrauchs­gegen­stän­den und absurden Phan­tasie­objekten. Dieses program­mierte Stuhl­experi­ment ist unter anderem mein Bei­trag zum Buch „Experi­mentelle Gestal­tung“ von Armin Lindauer und Betina Müller, das soeben im Niggli-Verlag erschienen ist. Gestalt­ung wird hier als Versuchs­aufbau verstan­den, dessen Achsen der Designer selbst festlegt und daraus resul­tierende Varia­tionen durch­spielt. Dieses Vorgehen ermöglicht über­raschende und unerwar­tete Ergeb­nisse. Zahl­reiche Bei­spiele aus unter­schied­lichen Bereichen veran­schau­lichen dieses Prinzip.


18.05.2015

 

Silber beim
Inter­natio­nalen
Creative Media Award 2014

Sil­ber beim Crea­tive Media Award 2014

Die drei­teilige Musik­band­reihe der Bläser­jugend Baden­-Württem­berg gewinnt Silber beim Inter­natio­nalen Creative Media Award 2014. Das Werk dient den Blas­musik­vereinen und Schulen Baden-­Württem­bergs als Lehr­werk und Einführung in die Musik­theorie und Praxis. Die drei Farben stehen für die verschie­denen Alters­stufen der jungen Leser. Der Kolumnen­titel zieht jeweils einen farbigen Faden durch jedes Kapitel. Dabei lockern und durchbrechen Illustra­tionen immer wieder den systema­tischen Aufbau von Text und Noten und erzählen kleine und große Geschichten. Farbig ausgezeich­nete Fremd­wörter inner­halb des Fließ­textes verbinden Text und Illustra­tion. Die Trenn­seiten sind mit Processing gestaltet.


22.12.2014

 

Das „Haus ohne
Augenbrauen” von
Adolf Loos

Orna­ment und Ver­bre­chen

Im Wien des begin­nenden 20ten Jahr­hunderts bringt Adolf Loos mit seinem berüchtigten Essay „Ornament und Verbrechen” die Anhänger des histori­sierenden Archi­tektur­stils zum Kochen — Gebäude, die aussehen wie Zuckertörtchen beherrschen Wiens Ring­straßen­archi­tektur und schmeicheln dem Kaiser.

Adolf Loos beschreibt das Ornament als unnützen Zierrat, der Arbeiter durch die Her­stellung des­selben unnötig versklavt und den Gegen­stand vorsätzlich verteuert. Er gesteht nur nützlichen Dingen Schönheit zu und konzentriert sich auf die Funktion der Sache selbst. Zur jener Zeit höchst umstritten, baut er das „Haus ohne Augen­brauen”, das als Vor­läufer der Moderne in die Geschichte eingeht.


26.08.2014

 

Relaunch Website
marekslipek.de

Re­launch der Web­site marek­slipek​.de

Der Relaunch der Website von marekslipek ist online und zeigt sich in neuem Corporate Design. Eine vereinfachte Benutzerführung erleichtert den Zugang über mobile Devices. Die Arbeits­proben sind auf einen Blick erfassbar.

Technologisch ist die Site auf dem neuesten Stand. Das Responsive Webdesign sorgt für eine dynamische Anpassung der Inhalte an die wachsende Anzahl von Devices — von Laptop über Tablet bis hin zu Smartphone steigt die Variations­breite an mobilen Endgeräten und Bildschirm­größen. Diese Heraus­forderung wird mit einer einzigen pflege­leichten Responsive Website abgedeckt.

Eine neue Hausschrift kommt medien­über­greifend als Webfont online und als Printfont offline in der Geschäfts­ausstattung zum Einsatz. Die Webfont-­Technologie stellt sicher, dass die Hausschrift auf allen Computer­systemen gleich dargestellt wird.


27.07.2014

 

Marek Slipek und Armin Lindauer erhalten eine Auszeichnung beim
Type Directors Club New York 2014

Auszeich­nung beim TDC New York 2014

Lässt sich die Programmier­sprache Processing auch für Print­projekte einsetzen? Ja, und das mit Erfolg — wie die diesjährige Auszeichnung des Type Directors Club beweist. Die Plakatreihe, die anlässlich eines Hochschul­vortrags in Ko­opera­tion von Marek Slipek und Armin Lindauer entstand, wurde von der New Yorker Jury mit dem begehrten „Certificate of Typographic Excellence” honoriert.

Überzeugt haben Idee und kreative Umsetzung: Das Porträt des Hochschul­dozenten setzt sich aus zahlreichen kleinen Buchstaben zusammen — seine Initialen. Ein Algorithmus bestimmt die Position der Schriftzeichen. Dadurch sind dynamische Variationen möglich, sodass eine vielfältige Plakatreihe entsteht. Die Farbigkeit Rot-Grün-Blau kokettiert dabei auf originelle Weise mit dem Verhältnis zwischen digitalem Tool und analogem Produkt.

Der international renommierte Design­wettbewerb des Type Directors Club New York verzeichnete dieses Jahr über 2000 Einreichungen, wovon zehn Prozent prämiert wurden. Zu sehen sind die Gewinner-Arbeiten in globalen Wander­ausstel­lungen und im TDC-Jahrbuch. 



20.02.2014

 

 

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